Tausende Migranten sind Medienberichten zufolge über den Grenzzaun hinweg in die spanische Exklave Ceuta in Nordafrika gelangt. Sie hätten die Sperranlagen vor der Stadt überwunden, die zu diesem Zeitpunkt nicht von der Polizei bewacht worden seien, meldete die spanische Nachrichtenagentur EFE am Donnerstag. Darunter seien Hunderte Jugendliche gewesen. Die marokkanischen Sicherheitskräfte vor Ort hätten sich beim Eintreffen der Migranten zurückgezogen. Die spanische Polizei bestätigte einen Massenansturm an Migranten, ohne Zahlen zu nennen. Aufnahmen, die der Nachrichtenagentur Reuters vorlagen, zeigten Migranten, die beim Betreten des Gebiets „Es lebe Spanien“ riefen. Erst in der vergangenen Woche waren den Regionalbehörden zufolge mehr als 1500 Migranten schwimmend in die Stadt an der nordafrikanischen Küste nahe der Straße von Gibraltar gelangt. Der Regierungschef von Ceuta, Juan Jesus Vivas, forderte die spanische Regierung am Donnerstag auf, wegen der hohen Zahl an Migranten-Ankünften den Notstand auszurufen. Zudem bat er um die Entsendung zusätzlicher Polizeikräfte und der Armee. Der spanische Ministerpräsident sicherte Juan Jesus Vivas Unterstützung zu. „Die spanische Regierung ist voll und ganz darauf bedacht, eine sofortige Antwort auf die Situation in Ceuta zu geben“, erklärte Pedro Sánchez auf der Plattform X (verlinkt auf https://x.com/sanchezcastejon/status/2082820481720156659) . „Wir mobilisieren alle notwendigen Ressourcen, arbeiten mit den marokkanischen und internationalen Behörden zusammen und bereiten die erforderlichen Maßnahmen vor, um die Normalität so schnell wie möglich wiederherzustellen.“ Oppositionsführer Alberto Nuñez Feijóo von der konservativen Volkspartei PP sprach von einer „verzweifelten Situation“. Auf X kritisierte er den sozialistischen Politiker Sánchez mit scharfen Worten: Die Regierung dürfe „nicht wegsehen, denn wir befinden uns in einer Krise der nationalen Sicherheit“. Laut dem staatlichen TV-Sender RTVE schließt das Innenministerium die Ausrufung des Notstands aus. Nach den geltenden Zivilschutzvorschriften zählen Migrationsbewegungen demnach nicht zu den Risiken, für die das nationale Zivilschutzsystem vorgesehen sei. Spanien und Marokko hätten vereinbart, ihre Zusammenarbeit zur Bewältigung der Migrationsbewegungen zu verstärken. Zudem sollten möglichst rasch alle Menschen zurückgeführt werden, die illegal nach Ceuta eingereist seien, hieß es unter Berufung auf das Ministerium. Das Ziel der Migranten „dürfte mutmaßlich Deutschland sein“, prognostizierte die AfD-Bundessprecherin Alice Weidel. „Grenzen müssen jetzt geschlossen und Abweisungen rigoros durchgesetzt werden.“ Ihr früherer Parteikollege Georg Pazderski sprach von beängstigenden Bildern. „Der Kommunist Sanchez öffnet ihnen Tür und Tor nach Europa.“ Ceuta bildet zusammen mit der nahegelegenen spanischen Exklave Melilla die einzige Landgrenze der Europäischen Union zu Afrika. In beiden Städten kommt es immer wieder zu Versuchen von Migranten, auf diesem Weg die EU zu erreichen.